Wo ist der Bürgermeister #1 – GLS Bank Berlin

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Wo-ist-der-Buergermeister-1-LandwehrVergangene Woche hat Fossil Free Berlin gemeinsam mit Werner Landwehr, Regionalleiter der GLS Bank Berlin, Bürgermeister Michael Müller zum Gespräch über Divestment eingeladen. Der Bürgermeister hat sich entschieden, die Einladung auszuschlagen. Stattdessen haben wir mit Herrn Landwehr über Berlins Beteiligung an klimaschädlichen Unternehmen und den weltweiten Trend zu Divestment gesprochen. Und der Bürgermeister hat für diese Woche eine weitere Einladung bekommen…

Fossil Free Berlin: Herr Landwehr, woran liegt es Ihrer Meinung, dass es derzeit weltweit einen Trend zu Divestment gibt?

Werner Landwehr: Ich glaube diesen Trend gibt es deshalb, weil bewusste und aufgeklärte Konsumenten immer besser verstehen, dass die Verhältnisse in denen wir leben dadurch beeinflusst werden, wie wir unser Geld einsetzen. Investitionen haben nicht nur etwas mit Rendite und Risiko zu tun, sondern prägen unmittelbar unsere Welt. Deshalb wächst das Bedürfnis, aus den Bereichen auszusteigen, die unsere Welt schädigen weil sie nicht ökologisch und nachhaltig sind. Dazu gehört auch die Forderung an diejenigen, die politisch eine Vorreiterrolle einnehmen wollen, ihren Lippenbekenntnissen auch Taten folgen zu lassen – eben auch bei so konkreten Themen wie Geldanlagen .

 

Ergibt Divestment denn aus finanzieller Perspektive Sinn? Oder verlieren Investoren Geld, wenn sie Anlagen beispielsweise aus fossilen Energieunternehmen abziehen?

Nein. Es wird zwar immer wieder behauptet, dass Anlagen die sich im nicht-nachhaltigen Bereich bewegen ertragreicher wären als solche im nachhaltigen Bereich. Aber es gibt mittlerweile Studien, die das Gegenteil belegen. Es existieren viele ökologisch sinnvollere und tragfähigere Anlageformen als solche in Atomkraft oder Kohle. Tatsächlich ist es im Gegenteil eher so, dass eine ganze Reihe von Anlagen in solch reaktionäre Technologien schlechter rentieren, eben weil sich die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verändern und eine Mehrheit der Menschen Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung hat. Man hat daher fast den Eindruck, dass diejenigen, die über Berlins Investitionen entscheiden, gar nicht mit den anderen Leuten in der Regierung geredet haben.

 

Tatsächlich ist Berlin derzeit noch mit rund 10 Millionen Euro an fossilen Energieunternehmen beteiligt. Was hätten Sie Bürgermeister Müller dazu gesagt, wenn er zum Gespräch erschienen wäre?

Ich hätte ihn zunächst gefragt, ob das Problem vielleicht darin besteht, dass Berlin nicht wüsste, wohin man alternativ investieren könnte. Da hätte ich dann auch unser Haus empfohlen, mit vielen Anlagemöglichkeiten. Mit 10 Millionen könnte er nicht nur eine ausgeglichene Rendite erzielen, sondern auch eine ziemliche Hebelwirkung. Über das Genossenschaftskapital der GLS etwa könnte man damit viele neue Projekte kreditfinanzieren. Aber davon mal ganz abgesehen – Divestment auf kommunaler Ebene ist nicht utopisch. Wir haben im Kreis der Genossenschaftsmitglieder unserer Bank durchaus Kommunen und Kämmerer, die so denken, und die einen anderen Weg einschlagen. Mir ist nicht verständlich wieso eine Metropole wie Berlin, in der so viele Menschen mit einer Affinität zu nachhaltigen Themen leben, nicht auch fortschrittlichere Wege geht. Es gibt einfach keinen Grund dafür. „Herr Müller, warum machen Sie das nicht?“ – das hätte ich ihn gefragt!

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Bürgermeister Michael Müller hat auch diese Woche wieder Gelegenheit zum Gespräch über Divestment – und zwar mit der Berliner Bundestagsabgeordneten Lisa Paus. Wird er die Gelegenheit wahrnehmen und sein Schweigen brechen? Wir bleiben dran!

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