Unterwegs mit Fossil Free Berlin #2: Zum Brandenburger Tor! Ins Kino! In die Finanzverwaltung!

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Im September haben wir die Divestment-Bewegung an ungewöhnlichen Orten auftauchen lassen und damit sehr viele neue UnterstützerInnen gewonnen. Wir sagen Danke an Euch alle, die mithelfen, Berlin zur ersten Divestment-Hauptstadt der Welt zu machen! Auf dem Weg dorthin sind diesen Monat echte Erfolge zu verzeichnen!


Fossil Free Berlin bewegt Finanzsenator zum Divestment-Statement

Zum Bürgerenergie-NetzGipfel sind viele BerlinerInnen gekommen. Sie wollen mit ExpertInnen der Energie-Enquete-Kommission, aus Genossenschaften, NGOs und Politik über eine erneuerbare Zukunft diskutieren. Auch Fossil Free Berlin ist eingeladen, einen Workshop über Divestment zu halten. Auf einer anschließenden Paneldiskussion stellt sich – das ist neu – der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen den Bürgerfragen.

Wir ergreifen die Chance und wollen wissen, wie die Senatsverwaltung für Finanzen zu Divestment steht. Und dann passiert das Überraschende: Erstmals bestätigt der Finanzsenator öffentlich, dass hinter den Kulissen geprüft wird, wie die Stadt klimaschädliche Aktien loswerden kann. Das ist ein echter Meilenstein für die Berliner Divestment-Kampagne!

Das hatte keiner erwartet: Berliner Finanzsenator Kollatz-Ahnen redet erstmals über „fossil-free Investitionen“ (Bürgerenergie Berlin e.V. Netzgipfel, 12. September 2015 / Foto: Paul Wagner, Bürgerenergie Berlin e.V.)
Das hatte keiner erwartet: Berliner Finanzsenator Kollatz-Ahnen redet erstmals über „fossil-free Investitionen“ (Bürgerenergie Berlin e.V. Netzgipfel, 12. September 2015 / Foto: Paul Wagner, Bürgerenergie Berlin e.V.)

 

Wir verwandeln das Brandenburger Tor in ein Symbol für Klimaschutz

Selber Tag, anderer Stadtteil. ‚Unter den Linden‘ ist gesperrt und der Anblick irritierend. Eine tanzende Demo? Obwohl man vom Straßenrand aus keinen einzigen Ton hören kann? Willkommen bei der Silent Climate Parade! Die Abendsonne geht unter und DJs funken ihre Beats in die Kopfhörer der vielen Hundert Klimaschützer. Lautlos wie der Klimawandel bahnen sich die tanzende Menschenmenge, WWF-Jugend und viele junge UnterstützerInnen ihren Weg durch die Straßen und setzen ein positives Zeichen für mehr Klimaschutz. Fossil Free Berlin ist mit riesigen „Kohlenstoffblasen“ dabei, die sich die Tänzer zuwerfen. So macht Klimaschutz Spaß!

Die Parade endet vor dem Brandenburger Tor mit einem bewegenden Moment. Die Demonstranten knoten die bunten Bänder an ihren Handgelenken, auf die sie geschrieben haben, was sie im Klimachaos nicht verlieren wollen, zu einer langen Kette aneinander. Die Idee für diese „Climate Ribbons“ entstand beim People’s Climate March 2014 in New York und wurde von Fossil Free nach Berlin gebracht. So entsteht ein starkes Symbol für den Klimaschutz: Die Tänzer wickeln ein langes Band der Hoffnung um eine Säule des Brandenburger Tors, während Redner von Fossil Free Berlin vor Hunderten Zuhörern den Berliner Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl fordern.

Vor dem Brandenburger Tor ruft Fossil Free Berlin dazu auf, mit den Climate Ribbons ein persönliches Zeichen für Klimaschutz zu setzen (Foto: Fossil Free Berlin)
Vor dem Brandenburger Tor ruft Fossil Free Berlin dazu auf, mit den Climate Ribbons ein persönliches Zeichen für Klimaschutz zu setzen (Foto: Fossil Free Berlin)

 

Eine Kino-Vorpremiere, die alles verändert

Würden wir es schaffen, ein so großes Publikum neugierig zu machen und ein Kino mit 450 Sitzplätzen zu füllen? Wochenlang hatte Fossil Free Berlin dafür gearbeitet, die deutschlandweit erste und einzige Vorpremiere von „This Changes Everything“ nach Berlin zu holen. Die Klima-Doku ist inspiriert vom gleichnamigen Buchbestseller von Naomi Klein, die durch den Film führt – und selbst im Vorstand der Klimaschutzbewegung 350.org sitzt, zu der auch FFB gehört. Und dann stehen wir am Premierenabend staunend und glücklich im Foyer: Das Kino ist restlos ausverkauft!

Auch wir sehen den Film heute zum ersten Mal. Er ist eindringlich und stark. Und er macht Hoffnung, dass wir den Auswirkungen des Kapitalismus und Klimawandels auf Menschen in aller Welt etwas Besseres entgegensetzen können.

 

Nach dem Film: Eine Paneldiskussion mit einer großen Botschaft

Welche konkreten Maßnahmen gibt es denn, fragt Felix Rohrbeck, Wirtschaftsredakteur der ZEIT und Moderator der Paneldiskussion. Als Gäste auf dem Podium haben wir Regine Richter von Urgewald e.V. eingeladen, Tadzio Müller von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Tine Langkamp von 350.org (Prof. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung mußte wegen Krankheit leider absagen).

Wir erfahren, dass viele internationale NGOs bei den UN-Klimaverhandlungen in Paris gemeinsame Aktionen des zivilen Ungehorsams planen – und auch nach Paris damit weitermachen. Wer im Publikum ist sich sicher, fragt der Moderator, dass die eigene Renten- oder Lebensversicherung klimafreundlich investiert ist? Von 450 ZuschauerInnen stehen nur fünf oder sechs auf. Hier kommt Divestment ins Spiel. Als Taktik zum Abzug klimaschädlicher Investitionen in Kohle-, Öl- und Gaskonzerne mobilisiert Divestment inzwischen sehr viele Menschen weltweit mit über 500 Kampagnen. Tine Langkamp berichtet, dass kleine und große Erfolge immer häufiger werden, und schon mehr als eine Milliarde Euro deinvestiert wurde. Urgewald und Partnerorganisationen konnten zuletzt sogar den größten Pensionsfond der Welt in Norwegen überzeugen, seine Kohle-Investitionen zu beenden.

Der Abend endet mit einer großen Botschaft: Wenn es uns gelingt, dass unterschiedlichste Bürgerbewegungen, Sozialverbände, Gewerkschaften und Menschen in aller Welt gemeinsam kämpfen, dann ist der Klimawandel vielleicht nicht nur eine Krise. Sondern unsere beste Chance für eine bessere Welt.

Paneldiskussion nach dem Film: Wie bremsen wir 2016 den Klimawandel, und wie machen wir die Klimabewegung noch stärker? (27. September 2015 / Foto: Jonas Schwendrat / Fossil Free Berlin)
Paneldiskussion nach dem Film: Wie bremsen wir 2016 den Klimawandel, und wie machen wir die Klimabewegung noch stärker? (27. September 2015 / Foto: Jonas Schwendrat / Fossil Free Berlin)

 

Was für ein September, was für ein Zuspruch! Wir von Fossil Free Berlin sagen Danke:

Danke für die Einladung zum Netzgipfel an Luise Neumann-Coesel, stellvertretend für das ganze Team von Bürgerenergie Berlin

Danke an Daniel Hires, sein Team und die WWF-Jugend für die tolle Silent Climate Parade

Danke an 350.org und Campact.de für die Orga-Unterstützung bei der Kinopremiere

Und nicht zuletzt Danke an fast 100 (!) KinobesucherInnen, die unsere Divest-Berlin-Petition noch im Kino unterschrieben haben. Nur durch Eure Unterstützung schaffen wir es, dass unsere Botschaft in der Berliner Stadtregierung gehört wird.

Hast Du die Divest-Berlin-Petition auch schon unterschrieben?
Jede Stimme ist ein Schritt in die richtige Richtung zu einem fossilfreien und klimaneutralen Berlin. Auch an Dich: Vielen Dank!

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