Etappensieg für Fossil Free Berlin: Enquete-Kommission fordert Divestment

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Standing Ovations für die Divestment-Empfehlung der Kommission im Abgeordnetenhaus (Foto: Fabian Franke/Fossil Free Berlin)

Am Abend des 11. November war es also soweit. Nach Wochen der Vorbereitung und vielen Diskussionen würden wir heute im Abgeordnetenhaus dabei sein, wenn die Enquete-Kommission „Neue Energie für Berlin“ neben Kohleausstieg und vielen weiteren Vorschlägen zu mehr Klimaschutz auch Divestment als Empfehlung an die Stadt Berlin ausspricht. Wir waren gekommen, um Kommission und Publikum mit einer Aktion zu überraschen. Würden sich unsere Mühen auszahlen? In einigen Stunden würden wir es wissen.

Gut vorbereitet zur Aktion

In der Planung war für uns klar: Wir wollten Aufmerksamkeit erregen, aber nicht die Veranstaltung stören. Denn vor allem wollten wir feiern, dass die Kommission genau das vom Abgeordnetenhaus fordert, wofür wir uns seit langem einsetzen: den Abzug aller Gelder der Stadt aus Kohle, Öl und Gas. Wir entwarfen Ideen für Aktionen, verwarfen einige und bauten andere aus. Am Ende war die Lösung simpel: spontane Standing Ovations sollten den Kommissionsmitgliedern zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Dazu wollten wir T-Shirts und Blumen als Dankeschön und Ansporn überreichen. Eine kleine Unterbrechung sollte es aber trotzdem geben, um direkt nach dem Applaus ein paar Worte an den Saal und die Kommission richten zu können. Und damit sich die ganze Aktion auch außerhalb des Raumes ordentlich verbreitet, gab es noch ein paar hektische Telefonate und Mails, bis wir für den Abend sogar zwei Journalistenteams verpflichten konnten!

Divestment-CitiesSo weit, so gut. Schnell wurde noch ein Design für die Shirts ausgeklügelt, dann ging es auch schon ab in die Druckerei. Auch für uns haben wir unsere Botschaft „Vorbild Münster +58: Divest Berlin Now!“ auf T-Shirts und Aufkleber im A4 Format drucken lassen um zu zeigen, wofür wir klatschen. Eigentlich schon fast schade, dass sich Berlin bereits den Titel „erste Divestment-Stadt Deutschlands“ durch die Lappen hat gehen lassen. Aber: der Club der Divestment-Städte ist immer noch exklusiv, und Berlin kann ganz einfach beitreten. Wir helfen dabei natürlich gern noch etwas nach…
Aber halt! Eine Sache fehlte noch. Um auch auf jeden Fall genug Leute für unsere Klatschaktion zusammen zu bekommen, haben wir einfach unsere Freunde und Unterstützer*innen über Social Media und unseren Newsletter zum Mitmachen aufgerufen. Jetzt stand dem Abend nichts mehr im Wege.

Standing Ovations für die Kommission

Dann endlich kam der 11.11., und damit unsere Chance. Vor der Veranstaltung trafen wir in einem Café die Unterstützer*innen, die sich auf unseren Aufruf hin gemeldet hatten. Zusammen waren wir um die 30 Leute, und damit ein nettes Grüppchen für einen ordentlichen Applaus! Nach einem kurzen Ablaufbriefing und der Verteilung vom Shirts und Aufklebern ging es zum Abgeordnetenhaus. Einige von uns hatten es etwas eilig, denn es gab mehr Anmeldungen als Plätze im Raum. Aber am Ende waren wir mit die ersten im Haus und konnten uns vor der Veranstaltung noch bei Brezeln und Getränken stärken.

Nach und nach trudelte auch der Rest ein, samt Kameras und Journalisten. Der Saal füllte sich langsam, und wir nahmen unsere Plätze ein. Gleichmäßig verteilt, damit die Standing Ovations ihre maximale Wirkung erzielen können. Aber wo war der Vorsitzende der Kommission? Der steckte, wie sich herausstellen sollte, im Stau fest, und seine Ankunft war nicht abzusehen. Wie sollte es jetzt weiter gehen? Kurz stand die Frage im Raum, ob wir unsere Aktion auch mit unvollständigem Plenum durchziehen würden, aber für Absprachen war keine Zeit. Also egal, stick to the plan. Jeder weiß, was er zu tun hat.

Und so begann das Warten: wann würde das Stichwort „Divestment“ fallen? Alle erwarteten das Signal zum Klatschen mit Spannung, aber es ließ auf sich warten. Manch einer bekam bereits Zweifel, ob an diesem Abend überhaupt noch jemand das magische Wort aussprechen würde. Doch endlich wurden wir erlöst: Michael Schäfer (Bündnis 90/Grüne) erwähnte die Divestmentempfehlung, unsere Signalgeberin horchte auf, hielt kurz inne, und sprang dann auf. Wir taten es ihr gleich.

Na, das hat doch super geklappt! Und nicht nur die Eingeweihten stimmten mit in den Applaus ein, nein, auch viele weitere Gäste aus dem Publikum taten es ihnen gleich. Definitiv ein starkes Signal, das die Leute an diesem Abend in Erinnerung behalten werden, soviel steht fest.

Aber wir waren noch nicht fertig. Nach Abschluss des offiziellen Teils des Abends galt es noch, die Mitglieder der Enquete-Kommission möglichst einzeln zu interviewen, und zwar mit Kamera- und Mikrofonunterstützung. Jetzt hatten wir nicht nur Eindruck hinterlassen, sondern auch gleich Aussagen der Kommissionsmitglieder von CDU und SPD. Die wohl wichtigste davon war: Divestment gehört zum fraktionsübergreifendem Konsens der Empfehlungen!

Hilf uns, das Thema Divestment ganz oben auf die Agenda zu setzen!

Und wie geht es weiter? Nach dieser gelungenen Aktion heißt es jetzt dranzubleiben! Divestment ist nur eine von vielen Empfehlungen der Kommission, und es gilt Druck auszuüben, damit diese auch in die Tat umgesetzt wird. Wenn du uns dabei helfen willst, dann kannst du das jetzt im Rahmen unserer Mailaktion tun: gemeinsam wollen wir eine Emaillawine an den Bürgermeister und den Finanzsenator lostreten, in der wir sie auffordern, die Divestment-Empfehlung der Kommission schnellstmöglich umzusetzen. Die Aktion ist Teil einer europaweiten Kampagne von 350.org, die die Menschen dazu aufruft, ihre Bürgermeister in die Pflicht zu nehmen und für saubere Finanzen ohne fossile Brennstoffe einzutreten. Wir wissen, dass wir auch auf dich zählen können. (Hier geht’s zur Mailaktion)

Wir freuen uns über unseren Etappensieg und machen weiter – jetzt erst recht!
Allen, die uns an diesem Abend und darüber hinaus unterstützt haben, den Kamerateams, Journalist*innen, Unterstützer*innen und unseren Mitgliedern sagen wir nochmal: Danke!

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Fotos: Sascha Boden / Fabian Franke / Agata Kaplon / Jason Kirkpatrick

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