Brief an DB

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Foto: Mathias Becker / Fossil Free Berlin


Wir laden die Deutsche Bahn zur Zusammenarbeit für klimafreundliche Altersvorsorge ein:

Dieses Schreiben unten schickten wir am 12.12.2016 per Mail und Post an die Leiterin für Sustainability der Deutschen Bahn, an den Finanzchef und an den CEO Dr. Grube. Es wurde nötig, nachdem die Finanzabteilung der DB zuvor die Auskunft auf unsere Fragen („Ist das Geld der DB klimafreundlich angelegt?“) am 09.12.2016 mit Hinweis auf „geschützte Belange“ abgelehnt hatte.
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Berlin, den 12.12.2016

Betreff: Einladung & Fragen zur DB2020+ / Klimafreundliche Finanzen

Sehr geehrte Frau Dr. Niedbal,
Sehr geehrter Herr Dr. Lutz,

die DB möchte laut Agenda DB2020+ Umwelt-Vorreiter werden und setzt schon heute Klimaschutzmaßnahmen um. Das ist sehr begrüßenswert. In der öffentlichen Darstellung vermissen wir allerdings den sehr entscheidenden Finanzbereich sowie die Altersvorsorge-Programme für die rund 300.000 Mitarbeiter der DB. Die Kernfrage lautet: Ist das Geld der DB klimafreundlich angelegt?

Klimafreundlichkeit spielt heute für viele Menschen eine Rolle, vermehrt auch bei der Wahl von Rentenprodukten, Bankgeschäften und Geldanlagen. Der Spiegel vom 26.11.2016 berichtete über unethische und klimaschädliche Geldanlagen bei Riesterprodukten [1]. Im August 2016 berichteten u.a. die Badische Zeitung [2] und die Welt [3] darüber, dass Pensions- und Versorgungsrücklagen von sieben Bundesländern in „Folterstaaten und fossilen Energien“ angelegt seien. Das öffentliche Interesse ist geweckt, weil weltweit über 600 Investoren und Institutionen beschlossen haben, ihre Gelder in Milliardenhöhe aus klimaschädlichen Wirtschaftsbereichen abzuziehen, Tendenz steigend [4].

Als Vertreter/innen der Bürgerbewegung Fossil Free Berlin haben wir uns intensiv mit der Frage beschäftigt, ob Betriebsrenten und Pensionsansprüche der Angestellten großer Unternehmen klimafreundlich finanziert sind. DB-Reports weisen darauf hin, dass Gelder, wie in vielen Pensionskassen üblich, über Mischfonds in Kohle-, Öl- und Gas-Unternehmen angelegt sind, deren Emissionen das Klima schädigen. Das wäre ein Widerspruch, der die Klimaziele der DB konterkariert.

Positiv sehen wir, dass die DB für ihre Transparenz beim Klimaschutz- und CO2-Reporting durch das Carbon Disclosure Project (CDP) ausgezeichnet wurde. Das hat uns motiviert, am 30.11.2016 eine entsprechende Anfrage an das Team der DB Investor Relations zu verschicken, um die Transparenz auch bei den Finanzen zu verbessern [5].

In einer E-Mail am 09.12.2016 teilte das Büro von Herrn xxxxxxxx mit, dass die DB „keine informationsverpflichtete Stelle“ nach Definition des Informationsfreiheits- bzw. Umweltinformationsgesetzes sei. Das mag richtig oder falsch sein – es ändert jedoch nichts an der Verantwortung der DB für das Klima. Wir wollen Sie heute bitten, Ihre Kolleg/innen bei der Recherche zu unterstützen und zur Zusammenarbeit einzuladen.

Wir sind überzeugt: Die DB kann ihre Rolle als Umwelt-Vorreiter – über die grüne Bahncard und technische Fortschritte hinaus – weiter ausbauen, wenn auch die Finanzen beleuchtet werden. Als größter Stromverbraucher in Deutschland hat die DB nicht nur eine große Verantwortung, sondern kann zu einer Gestalterin der Energiewende werden.

Dieses Schreiben wurde in Kopie auch an Dr. Rüdiger Grube sowie die Abteilung Presse verschickt. Gerne stehen wir kurzfristig für ein persönliches Treffen von Vertretern der DB und Fossil Free Berlin bereit, um über Gemeinsamkeiten zu sprechen.

Mit freundlichen Grüßen –
Mona Freundt, Mathias v. Gemmingen, Christoph Meyer für Fossil Free Berlin

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QUELLEN:

[1] SPIEGEL: „Unethische Riester-Anlagen“
http://www.spiegel.de/spiegel/geldanlage-das-eigene-ersparte-finanziert-oft-unethische-geschaefte-a-1123144.html

[2] Badische Zeitung: „Baden-Württemberg investiert in Klimasünder“
http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/klimasuender-portfolio-gruen-regiertes-baden-wuerttemberg-investiert-in-kohle-oel-und-gas–125555332.html

[3] WELT: „Sachsen-Anhalts Pensionsfonds besitzt umstrittene Aktien und Anleihen“
https://www.welt.de/regionales/sachsen-anhalt/article157407169/Pensionsfonds-besitzt-umstrittene-Aktien-und-Anleihen.html

[4] Liste der über 600 weltweiten Institutionen, die Geld aus Kohle, Öl und Gas abziehen
http://gofossilfree.org/commitments/

[5] Anfrage von Fossil Free Berlin an DB Investor Relations vom 30.11.2016
https://fragdenstaat.de/anfrage/bitte-um-informationen-uber-pensionszusagen-fur-mitarbeiter-des-db-konzerns/

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ÜBER FOSSIL FREE BERLIN:

„Fossil Free“ ist eine internationale Bürgerbewegung, die von Bill McKibben, Träger des Alternativen Nobelpreises 2014, und der Klimaschutzorganisation 350.org gegründet wurde. Weltweit sind über 1.000 Divestment-Initiativen von Fossil Free aktiv, in Deutschland sind es mehr als 20. Erfahrene Campaigner und Ehrenamtliche starteten die Öffentlichkeitsarbeit 2014 auch in Berlin und führten sie zum Erfolg: Als Reaktion auf die anhaltende Diskussion beschloss das Parlament des Landes Berlin am 23.06.2016, seinen 750-Millionen-Euro-Pensionsfonds aus Unternehmen abzuziehen, deren „Geschäftsmodell dem Ziel der Klimaneutralität widerspricht“.

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FossilFreeBerlin.org
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+++ Update 19.12.2016 +++
Positive Antwort: Die DB reagiert auf unser Schreiben und lädt Fossil Free Berlin zum ersten persönlichen Treffen ein. Es findet am 13.01.2017 in Berlin statt.

+++ Update 13.01.2017 +++
Fossil Free Berlin trifft die Deutsche Bahn:
Das Gespräch verläuft offen, konstruktiv und wirft neue Fragen auf. Ein Update über die nächsten Schritte folgt.

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